BZ-Aktion Menschen in Not
Das Familienzentrum bietet Wege aus der Not
Das Familienzentrum der Caritas ist in der Ziegelstraße 11, mitten in der Bietigheimer Altstadt. Foto: Martin Kalb
Petra Tolksdorf berichtet über die vielseitige Arbeit des Familienzentrums der Caritas in Bietigheim-Bissingen. Die Einrichtung wird auch in diesem Jahr von der BZ-Aktion bedacht.
Ein Jahr mit vielen Herausforderungen liegt hinter den Mitarbeiterinnen des Familienzentrums der Caritas mitten in Bietigheim-Bissingen“, sagt Petra Tolksdorf, Leiterin des Fachbereichs Existenzsicherung und Integration der Caritas. Im Mittelpunkt der Arbeit stand im vergangenen Jahr die Unterstützung von Menschen mit existenzieller Not oder Lebenskrisen, Familien in schwierigen Lebenslagen und Zugewanderten, berichtet sie und weiter: „Ergänzend dazu wurden Projekte durchgeführt und Kurse angeboten, die Unterstützung und neue Perspektiven für Familien schaffen.“
Allgemeine Sozialberatung:
Erste Hilfe im Behördendschungel
Die Allgemeine Sozialberatung (ASB) war dabei eine zentrale Anlaufstelle für Hilfesuchende, so Tolksdorf weiter. Im komplexen sozialen Sicherungssystem falle es Betroffenen oft schwer, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Lange Wartezeiten, komplizierte Anträge und schlechte Erreichbarkeit führen dazu, dass Betroffene buchstäblich „auf der Strecke bleiben“. Die Beraterinnen der Allgemeinen Sozialberatung (ASB) übernehmen hier eine wichtige Rolle – vergleichbar mit der eines Hausarztes, erklärt die Fachbereichsleiterin. Sie begleiten Menschen mit sozialrechtlicher und psychosozialer Beratung und durchbrechen damit den oft langen Weg, an dem sich niemand zuständig fühlte. Die Beraterinnen helfen, die Hürden im Alltag zu überwinden und geben den Menschen in Lebenskrisen Orientierung. Die ASB sei für Familien, Alleinerziehende, Alleinstehende und Rentner eine wichtige Anlaufstelle.
Weitere spezialisierte
Beratungsangebote
Die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) unterstützt wiederum Menschen mit Migrationsgeschichte bei allen Fragen rund um Aufenthalt, Spracherwerb, Arbeit und Integration. Für junge Menschen gibt der Jugendmigrationsdienst (JMD) Orientierung, die Beraterinnen helfen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sich in Schule, Ausbildung und Beruf zurechtzufinden. „Beide Beratungsangebote tragen dazu bei, dass Zugewanderte und ihre Familien in Deutschland Fuß fassen und Perspektiven entwickeln können“, sagt Tolksdorf.

Das Projekt „Bejuga“ ergänzt die Arbeit des Familienzentrums, mit einer Kombination von Arbeitsförderung und Familienhilfe. Ein Beispiel ist Frau B., die seit dem Frühjahr begleitet wird. Die alleinerziehende junge Mutter mit zwei kleinen Kindern, war lange auf der Suche nach einer Teilzeitbeschäftigung. Aufgrund ihrer familiären Situation und ihrer fehlenden beruflichen Qualifikation hatte sie bisher keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit dem Jobcenter wurde eine Unterstützung für eine verlässliche Kinderbetreuung in der Schule organisiert und Frau B. erhielt ein Bewerbungstraining. Im Verlauf der Begleitung lernte sie ihren neuen Partner kennen und wurde schwanger. In dieser neuen Situation erhielt sie Unterstützung durch die Beraterinnen der Schwangerschaftsberatung des SKF, ebenfalls ein Angebot im Familienzentrum der Caritas. Auch mit der Entscheidung für ein weiteres Kind verfolgt Frau B. den Wunsch, eine Arbeit aufzunehmen. Erste Schritte in Richtung Arbeitswelt konnte sie, zunächst über eine ehrenamtliche Tätigkeit mit einer Aufwandsentschädigung, in der Nachbarschaftshilfe gehen.
Die Fachstelle Frühe Hilfen ist ein Angebot für Familien. Der Babytreff findet alle zwei Wochen statt und bietet den Eltern die Möglichkeit zum Austausch und gemeinsamer Zeit. Hier gibt es laut Caritas die Möglichkeit, Rat einzuholen und Unterstützung bei Fragen rund um die ersten Lebensjahre des Kindes sowie praktische Tipps zu erhalten.
Großes Kursangebot
für die Familie
„Ein großes Kursangebot für die Familie rundet die umfassenden Beratungsangebote im Familienzentrum der Caritas ab“, berichtet Tolksdorf. Neben den Kursen für werdende Mütter, Mütter mit Baby, Gesundheits- und Babysitter-Kursen fand in diesem Jahr erstmals das Protactics Sicherheitstraining für Vorschüler und Grundschüler, durchgeführt vom Verein Seehaus und gefördert durch die Stiftung „Sicherer Landkreis Ludwigsburg“ statt.
An zwei Nachmittagen lernten die Kinder spielerisch, wie sie in schwierigen Situationen selbstbewusst und sicher auftreten können. Ziel des Kurses war, Kinder frühzeitig zu stärken – sowohl im Umgang mit Konflikten mit Gleichaltrigen als auch im Verhalten gegenüber fremden Personen. Mit viel Freude machten die Kinder bei den bewegten und lautstarken Übungen mit und lernten, Grenzen zu erkennen und klar zu kommunizieren. Diese Fähigkeiten fördern nicht nur die persönliche Sicherheit, sondern auch das Selbstvertrauen und den gegenseitigen Respekt, ist die Caritas überzeugt. Jedes Kind habe sich im Training ausprobieren können und sei nun gewappnet, den Schulweg zu meistern.
Mit hohem Engagement und Herz schaffen die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums Perspektiven für Menschen in Not, teilt Tolksdorf mit und weiter: „Auch im kommenden Jahr werden wir für die Menschen vor Ort da sein und Hilfe anbieten, wo sie gebraucht wird“ – und das niederschwellig, unkompliziert und mit professioneller Beratung. „Wir möchten uns bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, herzlich im Namen unserer Klienten und Klientinnen bedanken. Ihre Spenden machen diese Hilfe erst möglich. Vielen Dank für Ihre Unterstützung – gemeinsam schaffen wir neue Wege und Perspektiven“, so Petra Tolksdorf. hef/bz